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Königinnen die keine Spesen machen

Man ist glücklich mit dem was man sich (erlaubterweise) nimmt, mit dem was man HAT, das Gefühl von Reichtum und Armut ist selbst gemacht. Das ist das Thema des heutigen Blogs, und dabei erfährst du vieles über  die Familie der Schulleiterin und zum Schluss ein Seitenblick zum Geburtstag des Gründers der ESMONO, den die Schule am 17. Dezember feierte.

Beim Neubeginn vor 6 Jahren herrschte rundum ein Chaos, eine Welt ohne Licht. Nur noch Dunkel und Computer  waren da; wenn die Sonne schien, produzierte ein Solarblock, den uns die Stiftung Crupe gleich zu hunderten für die Menschen hier schenkte, Licht und Strom. Was jeder daraus machte, war SEINE Sache. Wie das Gefühl von Reichtum und Armut. Man sieht noch heute nachts im Dorf das Leuchten der unverkennbaren Äuglein.

Ich selber war zwar „Opfer“, hatte beim Erdbeben 2010 alles verloren aber überlebt, das Allerwichtigste. Als Reaktion und „Dank“ wollte ich nichts mehr mit Geld zu tun haben. Ich hatte eine Rente, die überliess ich meiner in die Schweiz geflüchteten Familie mit Kindern, und eine AHV, die ging drei Jahre zu 100 % an unsere Schule, danach zu 50%. Die übrige Hälfte musste für meinen Lebensunterhalt und die Ausbildung der hiesigen Kinder reichen; meine Gastgeberfamilie hat deren fünf. Wenn sie aus der ESMONO hinauswachsen, werden Schulen und Lehrmittel kostenpflichtig.

Seither schreibe ich jede Woche meinen „Blog“, immer am Sonntag. Zu einem Thema, das mir am Herzen und auf der Zunge liegt, das Haiti ohne Vorurteile und die Menschen betrifft, die hier „mit nichts“ leben müssen (und können), die stets nur Wasser aus Büchsen oder Plasticbechern trinken und sich ihre schmucken Kleider selber schneidern. Ich lebe mitten drin in dieser Welt. 

Dort in den Bergen hoch über Sumpf und Stadt vegetieren Menschen mit ähnlichen Gefühlen und Bedürfnissen wie die bei uns: Geld, Geld, Geld und Gold, fast alles Egoisten. Ich habe mir die ausgesucht, die gemeinnützige Werte, die ganzgross „Glück“ auf ihre Fahne schreiben. Die wichtigsten Melissa und Fritz habe ich gleich adoptiert. Beide arbeiten Tag und Nacht für  unsere Gratis-Schule und „für nichts“; sie haben die ESMONO (Ecole sur les Montagnes Noires) aufgebaut, mit 350 Kindern und etwa 20 Lehrern, Freunden und Spendern weltweit. Danke tausendmal!

Fünf Kinder oder mehr, das ist hier normal. Die Zugewandten, Verwandten, sonstwie Vorhandenen und Mitesser zählen nicht. Die Schulleiterin Melissa ist verheiratet, ihr Mann Mystal macht Abwart und was sonst noch ansteht.

Das braucht eine Buchhaltung, denn Ordnung muss sein. Eine grosse Familie muss man nutzen, alle helfen, diesmal ist Dja dran. Auch die Stiftungen und Freunde, die sich nach etwa 3 Jahren allmählich einstellten, verlangen das.

Jetzt ist Aude dran, die Benjamine der Grossfamilie in der Bergburg (so nennen wir ironischunser Haus zuoberst auf der Krete).

Ohne in eine Leistungsschau zu verfallen, muss ich noch einige Hochleistungen zeigen. Aufsteller für mich und vielleicht auch für Dich.

Olmyda, eine Tochter Melissas, ist der ESMONO schon entwachsen. Unseren Lesern und Freunden ist sie vermutlich bekannt, da oftmals erwähnt. Sie besucht täglich die Schule CMF (Collège Méthodiste des Frères), die ist leider nicht mehr ganz gratis … Aber auch dafür „reicht“ mein Anteil aus der AHV. Olmyda ist „MISS CMF“, ein Titel, den jedes Jahr die beste Schülerin erhält (OHNE Korruption).

Mida

Heute ist Olmyda Königin und Koryphäe, das Krönungsfest zu dem wir keineswegs fehlen dürfen. Mit einer Rede beweist sie, dass sie den Titel wohl verdient. Ihre Klasse interpretiert hier gleich ein von ihr selber komponiertes Lied. „Hallo“ ist ebenfalls selbst komponiert, sie trägt es mit ihren Kolleginnen gleich vor.

Auch was andere Klassen zeigen, lässt durchaus aufhorchen. Vor allem wenn man bedenkt, dass all die geschmackvolle Garderobe (wie in der ESMONO und in andern Schulen) SELBST gemacht ist aus Material, das fast nichts kostet. Andere Klassen 1, andere Klassen 2, andere Klassen 3, und so geht es weiter. Und zum Abschied defilieren die Klassenbesten nochmals vorbei.

Hier auf dem Dach der Bergburg präsentiert die ganze Familie Melissa nochmals ihre selbstgemachten, prächtigen Gesänge und wundervollen Tänze und die selbstgefertigten Kleider, die aus umgewandelten kostenlosen alten Lappen hergezaubert wurden. Frage an die professionellen Meckerer: Lässt sich da noch was einwenden?

Natürlich habe ich die Augen auf Schönes und Gutes getrimmt. Aber dass man das selbst in den Bergen von Haiti mühelos und fast ohne Geld findet, pflegen Journalisten und Meinungsmacher geflissentlich zu übersehen. Sensationen und Vorurteile bringen halt mehr Geld. Etwas Anderes kennen sie nicht …

Es dauerte 3 Jahre, bis ich in der Schweiz war und die Geschichte fernsehreif  über den Bildschirm flimmerte (27.6.13). Der Moderator, Kurt Aeschbacher, hat mir auf meine Bemerkung, ich hätte zum Glück immer motivierbare Menschen um mich gehabt, erwidert „Das liegt an dir“. Und gleich wieder zurück an den Ort des Geschehens.

Mit der „Welt ohne Licht“ hat der heutige Blog begonnen, das Licht brachte viel und geht wieder langsam aus.  Vorher noch das Video zu meiner 83. Geburtstagsfeier. Bei den Kleinen, und bei den „Grossen“. Mit etwas Verspätung (unter den vielen Glückwunschkarten war nämlich ein recht böses Virenpaket versteckt, das zuerst erledigt werden musste) nun noch der Boss „Mit 83 immer jünger„. Und so sieht es auf Vimeo aus …

Die Schule aber geht weiter, und kostet auch weiterhin (Lehrersaläre ca. 100.- USD/Monat/Kopf, Bücher etc.), bettelt und bittet deshalb gezwungenermassen, vermittelt ähnliche Werte, die Zöglinge verzichteten auch schon auf Ferien und wollten nach Schulschluss nicht heim, Freude, gemeinsam Glücklichsein, Aufstieg durch Arbeit! Haiti, sind Vorurteile korrigiert?

 

Das Schulfest

I am Olmyda, daughter of Melissa and of the region

Olmyda, die Rede

Und wie die Kinder lesen lernen

Ein Leser schreibt: „Ihre Berichte sind wohl die einzigen aktuellen sowie glaubwürdigen überhaupt, welche zur Zeit zu bekommen sind. Herzlichen Dank dafür!“

conteneur

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