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Sekundarschule ESMONO

halbtagsschule

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Nur Eines ist sicher: Halbtagesschule & Sekundarschule die kommt, Kleinschule die geht …  Wir Kinder von der ESMONO haben in kürzester Zeit Lesen und Schreiben gelernt, sieh nur wie:

Wie wir dank Büchern lesen lernen 

Lernen im 1. Stock

Auch die 54 (!) Kandidaten für die Präsidentenwahl können schon Lesen und Schreiben. Aber das demokratische Verständnis müssen sie noch lernen. Die Hitzköpfe werden wütend, wenn die Ergebnisse nicht die sind, die sie erwarteten. Schlagen sich zu Tode, wie mehrfach geschehen. Und einmal mehr – der Präsi bleibt auf die lange Bank geschoben (27.12. … ) Bleibt ein Geist, ein Grosses Welttheater.

Bleiben wir beim Grossen Welt-WUNDER, beim „ESMONONNEMENT“ (ich erinnere daran: ESMONO=Ecole Soleil sur les Montagnes Noires=Schule Sonne über den Schwarzen Bergen): Halbtagsschule & Sekundarschule kommt, Kleinschule geht! „Der Not gehorchend, nicht dem eignen Trieb“ heisst es jetzt.

Die stillschweigende Aufstockung um 15 Schüler (von 325 auf 340) haben aufmerksame Beobachter bereits bemerkt. Das jährliche Wachstum geht in ähnlichen Dimensionen weiter, denn die Kinder „wachsen in neue Klassen“ hinein. Das lässt sich nicht vermeiden.

Das hat auch der zuständige Minister bemerkt. Ab 1. November waren alle Schulen des Landes für eine Woche geschlossen. Nicht um den (vermeintlich) neuen Geist (Staatspräsident) zu feiern, dessen Name am 3. November bekannt werden sollte, sondern eher die neue ESMONO, nach Reorganisation mit Sekundarschule, 9jähriger Schulzeit etc. Auf der Bildungswebsite steht, dass man GUTE Schulen wolle. „Gut=gross und gewinnbringend“ (Interpretation Christine/Schweiz, völlig einverstanden).

Die Schuldirektoren des Landes waren dieser Tage zum Erziehungsminister zitiert und machten sich klug. Dies war Nesmy Manigat, keine Neuernennung, wie erwartet. Die Publikation wird noch im Internet erfolgen (http://menfp.gouv.ht/). Wie immer ziemt es sich nicht zu klagen, sondern es sind zuerst die Vorteile zu entdecken (ALLES hat Vor- UND Nachteile).

Ein Vorteil ist, dass die Kinder ihre gewohnte Schule und ihr Bergdorf nicht velassen müssen, um ihre Ausbildung fortzusetzen, auf die abenteurliche Töff-Fahrt über gefährliche Berg-„Strassen“ und entsprechende Unfälle verzichten können. Ist wahrscheinlich auch „kostengünstiger“ (unser Schuldirektor Fritz ist kaum zurück, liegt er schon mit töffbedingter Fussverletzung im „Bett“).

Allerdings meinte es der Minister wohl anders. Dass er Kleinschulen aus den Bergen „abwürgen“ und in Stadt, „Wirtschaftsgebiete“ und Gross-Schulen verbannen will, habe ich schon mehrfach beschrieben. Das ist „rationeller“ und „entwicklungs-orientierter“.

Wir von ESMONO haben jedoch andere Ideen. Zuerst eine zur Platzierung. Die Schule lief bisher von 08-13 Uhr, das könnte man auf 08-12 Uhr reduzieren. Eine zweite Schicht wäre von 13-17 h angezeigt. Für Nachhilfe, Erwachsene und Übriges (siehe „demokratisches Verständnis“ … ) würden immer noch Stunden übrig bleiben.

Es soll genügend diplomierte Sekundarlehrer in der Gegend geben, bliebe „nur“ noch das Problem der Lohn- und Lehrmittelkosten. Wenn Anstrengungen bei den Spendern nicht genügen, blieben im NOTFALL Kostenbeteiligungen (nur ein Vorschlag). Jedenfalls ist ein neues Budget fällig.

Ich denke die Aufstockung könnte in jährlichen Schritten erfolgen, jeweils an Neujahr.

Der Platzgewinn wäre auch wichtig bei einem vorübergehenden Schliessen des baufälligen Schulhauses infolge überfälliger Verstärkung zur Erdbebensicherheit und Ausbesserung, Ausbau zur Wasser- und Stromversorgung und Abwasserentsorgung.

Dennoch ist und bleibt die ESMONO ein Weltwunder und Warteraum für arme Bergkinder, die hier Lesen und Schreiben lernen. Ich bin wieder einmal überfordert und habe mir eine Denkpause ausbedungen. Der Blog hat den Zweck, andere Geister aufzuschrecken (nicht Präsi- Geister) und Diskussionen anzuregen. Auf breiter Front, ich werde darüber berichten (Rückmeldungen enthalten das Recht, vornamentlich veröffentlicht zu werden. Ansonst „anonym“ anfügen, danke!)

Für die fällige Oberstufe der ESMONO jedenfalls ist der Vorschlag gemacht. Ich stelle mir ab Neujahr jährliche Aufstockung je einer Klasse vor. Das Budget bleibt so übersehbar.

Der Erziehungsminister macht kurzen Prozess; er droht Schulen zu schliessen, die keine Oberstufe führen. „Schule für Habende“ ist gefragt, alles andere wird abgewürgt.

NOCH weiter oben am Berg existiert eine kleinere Bergschule, die von einem Geistlichen geführt und uns kostenlos angeboten wurde. Himmeltraurig, dass sich die Kirche der Pflichten annehmen muss, um die sich der Staat foutiert. Der Pfarrherr ist nicht mehr in der Lage, seine Lehrer zu bezahlen, die könnten mit übernommen werden …

NOCH schlimmer geht es all den Schulen der religiösen Kongregationen, die lange Zeit eine historische Rolle spielten, für die Entwicklung des Landes tragend waren, für die Gesundheit, für die Ernährung, für die Schulung und Ausbildung, die gesamte Kultur, ist das das Ende?

Das Ende der „Kleinen Schulen als Schlüssel für eine bessere Zukunft“? Das Ende für die „bessere Zukunft“ überhaupt? Das Ende der „Kleinen Schulen“ von Don Bosco? (Don Bosco war ein italienischer Priester und ein Pionier der pädagogischen Jugendarbeit im 19. Jahrhundert, der wichtigste Träger dieser Arbeit in Haiti.

 

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(Viel Platz haben die Kinder in den „Kleinen Schulen“ nicht, dennoch kommen sie gerne in die Schule. Denn Bildung ist ihre einzige Chance als Ausgang aus der Armut. Kleine-Schule-Bild1.jpg)

„Bereits vor dem Erdbeben im Januar 2010 gehörte Haiti zu den ärmsten Ländern weltweit. Politische und wirtschaftliche Fehlentwicklungen sowie Naturkatastrophen haben aus der einstigen Perle der Karibik ein Armenhaus gemacht. Das Beben traf ein Land, das schon am Boden lag und hat die Entwicklung des Karibikstaates um Jahrzehnte zurückgeworfen. 80 Prozent der Haitianer, so schätzt man, müssen von weniger als zwei US-Dollar am Tag leben“ (in Lakou-mango weniger als 1 Dollar).

Leidtragende der Armut sind vor allem die schwächsten Glieder der Gesellschaft, Kinder und Jugendliche. Haitianische Eltern haben häufig weder Geld für eine ausreichende Ernährung noch für Schulbildung. Doch ohne Bildung haben diese Kinder wiederum keine Chance auf eine Arbeit und somit keine Zukunftsperspektive.

Hier setzten die Salesianer Don Boscos an und gaben Kindern und Jugendlichen aus wirtschaftlich schwachen Milieus eine Schul– und Berufsausbildung. „Kleine Schulen – eine Erfolgsstory! Gerade jetzt, wo infolge der täglichen Unruhen viele Schulen geschlossen waren. Nicht nur in den Bergen. Die ESMONO lief bisher unentwegt und normal weiter. Aber jetzt ist auch sie gefährdet!

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Vor dem Erdbeben gab es fünf große, von den Salesianern geführte Schulzentren in den Slums der Hauptstadt und 132 kleine Schulen. Durch das Beben wurden sie in unterschiedlichem Maße beschädigt bzw. zerstört. Mittlerweile konnten 80 „Kleine Schulen“ ihre Aktivitäten wieder aufnehmen; sie sind durch die neusten ministeriellen Entschlüsse wiederum gefährdet.

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Die „Kleinen Schulen“ hatten im Durchschnitt 2-3 „Klassenzimmer“, in denen jeweils etwa 30 Schüler im Alter von 6 bis 11 Jahren unterrichtet wurden. Die Salesianer Don Boscos unterstützten die Schulen auf vielfältige Weise: sie kümmerten sich um die Aus- und Weiterbildung der Lehrer, um finanzielle Unterstützung der Lehrergehälter, um didaktisches Material und die tägliche warme Mahlzeit für die Kinder. Jetzt ist das vorbei.

Vom Welttheater zurück zum Weltwunder. Ich hoffe, dass wieder Weltwunder geschehen und diese Zeilen bald nochmals in die Gegenwart umgeschrieben werden können. Und das Werk der Salesianer nicht mehr ein über hundertjähriger Ausschnitt aus der Geschichte bleibt (1910-2015)!

 

Nachtrag 1.6.2016: der Wunschtraum von der Sekundarschule ist ausgeträumt. Aus finanziellen Gründen. Wir haben beschlossen, uns nach der Decke zu strecken und auf eine 7., 8. und 9. Klasse zu beschränken. Die Gratisschule bleibt. Incl. Schulung, Bücher, Uniform, Musik- und Nebenfächer, Exkursionen, Gesundheitspflege, Nahrung (Mannapacks), ALLES. Unsere Kinder sind ja Strassenkinder in den Bergen, sie haben kein Geld. 

Ein Leser schreibt: „Ihre Berichte sind wohl die einzigen aktuellen sowie glaubwürdigen überhaupt, welche zur Zeit zu bekommen sind. Herzlichen Dank dafür!“

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